Wir kennen es in verschiedenen Situationen: Die „bösen“ Umstände schlagen uns auf Magen und Verdauung.
Das Schulkind vor der Klassenarbeit, der Jugendliche vor dem Bewerbungsgespräch, der Erwachsene im stressigen Beruf.
Oft sind es nur kurzzeitige Befindlichkeitsstörungen, manchmal halten die Beschwerden aber über quälend lange Zeit an:
Krampfartige Bauchschmerzen, Druckgefühl im Unterbauch, Völlegefühl, Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten. Dies kann die Lebensqualität stark einschränken.
Die Bezeichnung
Colon irritabile bezieht sich auf den (Reiz-)Darm. Aber auch der gesamte Verdauungstrakt mit Dünndarm und Magen kann beeinträchtigt sein. Betroffene verspüren die unangenehmen und oft lästigen Beschwerden gelegentlich oder in besonderen Situationen (etwa bei oder nach Stress und Ärger), einige haben ständig Symptome. Nachts ist aber meistens Ruhe. Dies unterscheidet den Reizdarm von entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, bei denen durchaus auch nachts Beschwerden auftreten.
Immerhin sind schätzungsweise zwischen 20 und 30 Prozent der Bevölkerung vom Reizdarm-Syndrom betroffen, dabei Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. Zirka die Hälfte aller Menschen mit Magen-Darm-Beschwerden hat ein Reizdarm-Syndrom.
Die genauen
Ursachen sind bisher nicht klar, es handelt sich um eine
funktionelle Erkrankung. Die Funktion des Darms ist beeinträchtigt, es lässt sich aber keine körperliche Ursache für die Beschwerden finden. Ein Großteil der Menschen mit Reizdarm empfindet schon normale Verdauungsbewegungen als schmerzhaft. Der Nahrungstransport im Verdauungssystem ist gestört,
der Darm selbst ist dabei aber
nicht krankhaft verändert. Diese Aussage ist wichtig, denn häufig vermuten die Betroffenen eine schwere Erkrankung hinter ihrem Reizdarm.
Dies bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass es sich beim Reizdarm um eine psychische Störung handelt. Allerdings können Stress und psychische Konfliktsituationen das Reizdarm-Syndrom erheblich beeinflussen: Bei Stress reagiert der Darm von Betroffenen oft stärker als bei gesunden Menschen.
Ebenso können weitere Faktoren dazu beitragen, dass sich ein Reizdarm-Syndrom entwickelt. Diese Auslöser (sog. Trigger) sind unter anderem:
- falsche Ernährung (ballaststoffarm oder sehr fettreich)
- eine übermäßige Schmerzempfindlichkeit der Verdauungsorgane
- eine Fehlbesiedelung der Darmflora mit bestimmten Bakterien
- eine erbliche Veranlagung
- Störungen der Immunabwehr
- Medikamente
- hormonelle Einflüsse
Bei einem Teil der Betroffenen gehen dem Reizdarm-Syndrom andere Erkrankungen voraus:
- eine bakterielle Darminfektion,
- eine Unverträglichkeit
- oder eine allergische Reaktion gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln und Getränken (z.B. Milchprodukte, Kaffee, Alkohol, Zitrusfrüchte, gebratene Speisen).
In den letzten Jahren kamen viele verschiedene Theorien zur Ursache des Reizdarm-Syndroms auf. Eine wesentliche Bedeutung kommt dabei dem
Bauchhirn zu. Dieses "darmeigene" Nervensystem
steuert unter anderem den
Transport der Nahrung und Flüssigkeiten im Darm. Man geht davon aus, dass eine zu aktive Darmmuskulatur einen großen Teil der Beschwerden bedingt (sog. Motilitätsstörung). Der Darm von Betroffenen bewegt sich häufig stärker als bei gesunden Menschen.
Allgemeine Maßnahmen
In der
Ernährung spielen das
Was und
Wie eine wesentliche Rolle.
Was wird gegessen?
Eine spezielle Diät ist nicht empfehlenswert. Besser ist eine ausgewogene Mischkost mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen und reichlich Flüssigkeit. Auf schlecht verträgliche Nahrungsmittel und blähende, fette sowie sehr kalte oder auch sehr heiße Nahrungsmittel sollte man besser verzichten.
Wie wird gegessen?
Zum Essen sollte man sich Zeit nehmen, ausreichend kauen und nicht hetzen.
Lindernd wirkt auch
Wärme auf dem Bauch über eine Wärmflasche.
Psychische Unterstützung
Wenn
Stress oder Konflikte die Beschwerden verstärken, sind an der Psyche ansetzende Maßnahmen sinnvoll. Zum alltäglichen Stressabbau zählt ein regelmäßiger Tagesablauf, täglich ausreichende körperliche Bewegung (z.B. Laufen, Fahrradfahren, Gymnastik, Schwimmen) und eine ausgeglichene Freizeitgestaltung.
Daneben können Entspannungsübungen wie zum Beispiel autogenes Training oder Meditation helfen. Auch eine gezielte psychotherapeutische Unterstützung (z.B. psychoanalytische Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie, Hypnose) kann beim Reizdarm-Syndrom wirken.
Eine Psychotherapie empfiehlt sich vor allem, wenn
• zusätzlich psychische Störungen vorliegen,
• die Beschwerden schon sehr lange bestehen oder
• ein starker Leidensdruck besteht.
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